Kann der Radweg auf der Rampe von der Konrad-Adenauer-Brücke zurückgebaut werden, damit der Autoverkehr wieder zweispurig von der Konrad-Adenauer-Brücke abfließen kann?

Der Stadtrat hat sich in seiner Sitzung am 23. September 2019 ausführlich mit dieser Frage befasst. Er folgte mit großer Mehrheit der fachlichen Bewertung der Verkehrsplanung der Stadtverwaltung, die darlegte, dass die Zurücknahme des Fahrradweges zugunsten einer zweispurigen Autostraße weder verkehrlich noch wirtschaftlich noch nachhaltig sinnvoll ist.

Zur Begründung: Zur Umsetzung des Urzustandes müssen auf einer Länge von rund 170 Metern die aufgeklebten Bordsteine entfernt und die komplette hergestellte Pflasterfläche an der Rheinschanze/Lichtenberger Ufer ausgebaut und asphaltiert werden. Die Kosten hierfür werden auf ca. 230.000 Euro geschätzt. Darin enthalten sind auch Kosten für noch abzustimmende erforderliche Verkehrslenkungsmaßnahmen in Mannheim, da für die Baumaßnahme, voraussichtlich für vier Tage, eine Vollsperrung der Konrad Adenauer Brücke notwendig sein wird. Die gesamte Bauzeit  wird mit ca. 6 Arbeitstagen abgeschätzt.

Auswirkungen für den Kfz-Verkehr:

Es ist sicherlich nachvollziehbar, dass die Verkehrsbelastung der Hochstraße Süd mit über ca. 55.000 Kfz/Tag nicht vollständig und störungsfrei über das sonstige Straßennetz abgewickelt werden kann. Störungen insbesondere in den Hauptverkehrszeiten sind damit unausweichlich.

Die bisherigen Beobachtungen, auch der Polizei, haben gezeigt, dass die negativen Auswirkungen sich bisher weitgehend in Grenzen gehalten haben. Nach Kenntnis der Verwaltung hat dies viele Ursachen, wie eine geänderte Verkehrsmittelwahl (deutlich mehr Radfahrer auf der Konrad-Adenauer-Brücke), geänderte Fahrtrouten (Nutzung der großräumigen Ausweichstrecken bei Durchgangsverkehren) oder veränderte Arbeitszeiten.

Hinsichtlich der Änderung von Verkehrsführungen ist grundsätzlich darauf zu achten, dass im städtischen Bereich Rettungs- und Einsatzfahrten weiterhin möglichst störungsfrei sein sollten. Daher gilt im Grundsatz, dass Stauungen möglichst vor der Innenstadt und nicht in der Innenstadt entstehen sollen. Zu berücksichtigen ist hier auch das Thema Reisezeit. Reisezeit nennt man die Zeit, die man braucht, um vom Ausgangspunkt an sein Ziel zu kommen. Hier zeigt sich, dass Verkehrsdosierungen mit Stauungen an bestimmten Stellen und im Anschluss daran wieder freien Streckenabschnitten eine günstigere Reisezeit ergeben.

Genau diese Funktion übernimmt derzeit die Abfahrtrampe von der Konrad-Adenauer-Brücke. Denn wenn diese kritische Stelle durchfahren worden ist, ist ein weitgehend störungsfreier Verkehr im nachfolgenden städtischen Netz möglich. Durch den Rückbau des Geh- und Radweges zugunsten einer weiteren Kfz-Fahrspur können der Rückstaubereich für in Richtung Wredestraße derzeit schlecht abfließenden Kfz-Verkehre verlängert werden und in einer Zeiteinheit durchaus mehr Kfz diesen kritischen Bereich der Rampe durchfahren.

Jedoch laufen diese Verkehre dann an den folgenden Ampeln an der Kaiser-Wilhelm-Straße, Rheinallee oder Wredestraße auf und verursachen dort Rückstauungen. Denn obwohl diese Ampeln verkehrsabhängig gesteuert werden, wird durch einen höheren Zufluss pro Zeiteinheit deren Grenze der Leistungsfähigkeit überschritten. Auch sind Probleme bei der Verflechtung der Verkehre in Richtung Rheinallee mit den Verkehren aus dem Zollhoftunnel nicht auszuschließen.

Insofern ist zu erwarten, dass sich der Stau in das Stadtgebiet mit entsprechenden Umweltbelastungen insbesondere für Anwohnerinnen und Anwohner, Berufstätige, Radfahrende und zu Fuß Gehende verlagert, die auf der gut durchlüfteten Rheinbrücke weniger negative Auswirkungen haben.

Da der Stau letztlich nur um wenige hundert Meter verlagert wird, sind auch keine deutlich spürbaren entlastenden Wirkungen für das Stadtgebiet von Mannheim zu erwarten. Denn bereits bei funktionsfähiger Hochstraße Süd entstanden in den Hauptverkehrszeiten in Mannheim ähnliche Rückstauungen durch die notwendigen Verkehrsverflechtungen infolge der Fahrspurreduzierung

Mit der Herstellung des Urzustandes muss auch die ursprüngliche Radverkehrsführung wieder eingerichtet werden. Dies bedeutet, dass Radfahrer auf der Rampe in beiden Richtungen absteigen und das Rad schieben müssen. Da dies, wie in der Vergangenheit auch festgestellt wurde, bei Radfahrerinnen und Radfahrer nur eine geringe Akzeptanz findet und trotzdem die Rampe fahrend genutzt wird, werden die gleichen konfliktträchtigen Situationen entstehen wie vorher. Jedoch ist die Gefährdung dann deutlich höher, da im Vergleich zur Vergangenheit aktuell deutlich mehr Kfz-Verkehr auf der Abfahrtrampe vorhanden ist.

Darüber hinaus müsste der derzeitige Zweirichtungsradweg von der Kaiser-Wilhelm-Straße kommend wieder aufgegeben werden, da nach Rückbau des Radweges, die erforderliche Breite nicht mehr gegeben ist, um dies zuzulassen.

Das Land plant derzeit die Radschnellverbindung Schifferstadt – Ludwigshafen – Mannheim. In diesen aktuellen Planungen ist eine Verkehrsführung über den Zweirichtungsradweg an der Abfahrtsrampe vorgesehen. Ein Rückbau würde diese Radverkehrsführung nicht mehr zulassen.